Arbeitsumgebung

In unserer Geschichte haben wir Menschen den Raum, der uns umgibt, immer gefüllt und nach unseren Ansprüchen gestaltet. Ursprünglich war der Raum an sich entscheidend.

Versetzen Sie sich nun in folgendes Szenario: Es ist kalt. Sie tragen nur eine Kutte. Sie befinden sich in einem Raum aus Sandstein gebaut. Wenn Sie schreiben, kratzt eine Feder über das Papier, das Buch, das Sie beschreiben, liegt auf einem hölzernen Tisch. Sie können die Tinte riechen, die fürchterlich verschmiert, wenn Sie nicht achtgeben. Wenn einer Ihrer Arbeitskollegen hustet, hallt es an den Wänden wider. Daher bemühen sich alle um Ruhe, damit die Konzentration bei dieser wichtigen Arbeit nicht gestört wird. Der Kerzenschein erhellt den Raum minimal, die hellen Fensterplätze sind nur im Sommer beliebt. Ab und an hören Sie klerikale Gesänge.

Die beschriebene Szene stammt nicht etwa aus dem Film „Der Name der Rose“. Es ist vielmehr eine alltägliche Szene aus dem Ursprung der Bürowelt: das Skriptorium. Seit 400 n. Chr. wurde in den Klöstern auf diese Weise gearbeitet. Um den wertvollen Umschlag der zu bearbeitenden Bücher nicht zu beschädigen, legten die Mönche zwischen (Schreib-)Pult und Buch ein Stück Stoff Ihrer Kleidung, der Burra. Daran wurde im 17. Jahrhundert das Wort „Büro“ abgeleitet.

Der Ursprung des Büros war immer ein Raum, der dem Rückzug und der Konzentration diente. Es waren Denkzellen, um die Gedanken schriftlich festzuhalten und sie anderen mitzuteilen. Von hier aus gründeten sich die Wissenschaften, Erfindungen und der gesamte technische Fortschritt. Es wurde im Stehen gearbeitet, denn Sitzen war den höheren Kasten vorbehalten.

Erst allmählich traten die Möbel in den Vordergrund, gemeinsam mit den ersten technischen Schreibhilfen. Das 19. Jahrhundert war nicht nur das Zeitalter der Industrialisierung und der Massenfabrikation, sondern ebenfalls eine Epoche stetig wachsender Büroarbeit. Das vermehrte Steueraufkommen, Planungs- und Überwachungsaufgaben und das Sozialversicherungswesen führten besonders in Preußen zu einem bürokratischen Aufwand einer bisher unbekannten Dimension. Vorbild für die Verwaltungsarbeit war das Militär: Korrektheit, Disziplin und bürokratische Zweckmäßigkeit bestimmten den Arbeitsalltag. Für eine entsprechende Ordnung sorgten Briefsortierfächer, Archivschränke und später auch Registraturhilfen wie Karteikarten und Briefordner.

Auch räumlich wurde die Büroarbeit immer stärker spezialisiert: Das Schreiben, Kopieren, Rechnen, Kassieren und Ablegen wurde in jeweils dafür ausgelegten Räumen untergebracht. Die Einführung von Gaslicht und später von elektrischer Beleuchtung verbesserte die Lichtverhältnisse in den oft düsteren Büros erheblich und ermöglichte eine zeitliche Ausdehnung der Arbeit.

Zwischen 1907 und 1925 verdoppelte sich in Deutschland die Zahl der Angestellten nahezu. In den Verwaltungen der Großbetriebe setzte sich mit dem Einsatz von Schreib- und Rechenmaschinen die Aufgliederung in Abteilungen fort: mechanische Buchhaltung, Telefonzentrale, zentralisierter Schreibdienst. Vor allem Frauen nahmen die neue Erwerbsmöglichkeit in der Großstadt wahr. Doch die einseitige, monotone und laute Arbeit des Schreibsaals führte häufig zu Beeinträchtigungen der Gesundheit. Nervosität, Schwindel und Erscheinungen waren an der Tagesordnung. Auch Klagen über den enormen Arbeitsdruck waren keine Seltenheit.

In den 50er Jahren wurden auch in kleineren Büros verstärkt moderne Büromaschinen wie Buchungsmaschinen, Diktiergeräte und Vervielfältiger eingesetzt. Auch die kleinen Hilfsmittel der täglichen Büroarbeit fanden immer größere Verbreitung: Hefter, Locher und Anspitzer wurden zu Massenartikeln.

Die zunehmende Technisierung des Büros rückte den Menschen in den Hinter- und immer präzisere Arbeitsmittel in den Vordergrund. Der Ist-Zustand zeigt das Bild eines nahezu technisch perfekten Arbeitsplatzes, dem kaum funktionale Grenzen gesetzt sind. Diese Entwicklung wird bald ihren Abschluss finden,weil sie kaum noch zu optimieren ist.

Was bleibt, ist unser Kopf: die kreative Denkzelle. Wie soll sie in Zukunft aussehen? Verstaubt, muffig und lästig oder kommunikativ, sinnvoll und vor allem inspirierend?