Boreout
Das Boreout-Syndrom als Gegenstück zu Burnout. Eine neue Modekrankheit? Tatsächlich, auch Unterforderung ist heute eine kritische Geschichte, auch wenn es bisher – ähnlich wie bei Burnout – noch keine Diagnose für das Boreout-Syndrom gibt, es kaum durch Studien gesichert ist und nicht als klinisches Krankheitsbild anerkannt wird. Wer möchte sich schon gerne „auslangweilen“?
Die Bestsellerautoren und Erfinder des Phänomens Peter R. Werder und Philippe Rothlin beschreiben Unterforderung (das Gefühl mehr leisten zu können), Langeweile (Lustlosigkeit und Ratlosigkeit, weil nichts zu tun ist) und Desinteresse (fehlende Identifikation mit der Arbeit) als die herausragenden Merkmale eines Boreout.
Einst motivierte Menschen werden durch einen Mangel an interessanten Aufgaben und Verantwortung faul gemacht. Wenn der Job zu Tode langweilt, resultieren Müdigkeit, Lustlosigkeit, Gereiztheit, Frustration. Das kann bis hin zu depressiven Anzeichen gehen. Boreout entsteht vor allem dort, wo Arbeitsresultate nicht direkt messbar sind. Dabei sind Schreibtischjobs besonders gefährdet, da sie dazu verlocken, die Zeit zu vertrödeln und sich ablenken zu lassen. Man surft im Internet, plant den nächsten Urlaub oder kommuniziert mit Freunden. Aufgrund der Unzufriedenheit und weil Nichtstun gesellschaftlich im Gegensatz zu Stress verpönt ist, wenden die Betroffenen Tricks an, um ihre Ineffizienz oder ihren Mangel an Arbeit zu verheimlichen. Sie bleiben bis spät abends im Büro, lassen ihre Schreibtischlampe brennen, machen möglichst viel Lärm mit der Tastatur oder dem Umherwälzen von Aktenordnern oder ziehen ihre Arbeit künstlich in die Länge. Das Fatale daran, die Strategien machen noch unglücklicher. Eine unangenehme Vorstellung, bei der Arbeit nichts zu tun zu haben!
Beim Absitzen von Stunden, in denen man einfach nur auf den Feierabend wartet, scheint sich die Zeit zu verlangsamen.
Jeder Mensch braucht positive Herausforderungen, um gesund zu bleiben. Langeweile reduziert langfristig das Selbstbewusstsein durch fehlende Anerkennung und ausbleibenden Erfolg. Betroffene sollten sich Tätigkeiten suchen, die Spaß machen, spannend und anregend sind und ihnen nicht jeden Tag das Gefühl geben, wieder arbeiten gehen zu müssen, sondern zu dürfen! Ziel: Aufgaben, denen man gewachsen ist an denen man wachsen kann.
Die Zahlen der Gallup-Studie von 2008 verdeutlichen, wie wichtig gute Arbeitsbedingungen sind und ein Job, mit dem man sich identifizieren kann. Die Dienst-nach-Vorschrift-Macher und die innerlichen-Kündiger sind vermutlich am anfälligsten für den Langeweile-Stress.