Burnout

„Ich fühle mich ausgebrannt, ausgelaugt und völlig erschöpft …“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Wer hat Ähnliches nicht schon einmal von sich selbst behauptet? Das ist ein häufiges Phänomen unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Zeit, in der wir unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht werden müssen. Alarmierende Studien ergaben, dass 25 % der Erwerbstätigen in Deutschland, also fast neun Millionen Menschen, sich durch ihren Job verschlissen und erschöpft fühlen. (Emnid-Befragung im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Gesundheit und Soziales NRW) Eine hohe Dunkelziffer wird vermutet. Die Zahl der Krankschreibungen wegen Burnout ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre um 17 % gestiegen. 2008 hatten deutsche Unternehmen mit fast 10 Millionen Fehltagen aufgrund von Burnout zu kämpfen. Das sind 40 000 Arbeitnehmer, die ein ganzes Jahr lang ausfallen. Bei einem durchschnittlichen Jahresverdienst von 30.000 Euro macht das eine finanzielle Belastung von 1,2 Millionen Euro. (Techniker Krankenkasse, Gesundheitsreport, 2008)

Wirtschaftliche Krisen beschwören die Anfälligkeit, frei nach dem Motto: Fallen die Kurse, steigt das Burnout-Risiko! Triftige Gründe, dieses Phänomen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Begriff Burnout wurde in den 70er Jahren vom Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger geprägt. Burnout ist ein „Zustand der Müdigkeit oder der Frustration infolge des Engagements für eine Sache, eine Lebensform oder eine Beziehung, das am Ende nicht die erwarteten Früchte trug.“ (Herbert J. Freudenberger) Die Wortschöpfung kommt vom englischen Verb „to burn out“ und beschreibt den Prozess des Ausbrennens, der von körperlicher und geistiger Überlastung herrührt. Er ist Folge einer chronischen Aktivierung der Stressachse.

Vor allem engagierte und leistungsstarke Menschen, die ihr Energiepotenzial lange und in hohem Maße einsetzen, sind Burnout gefährdet. „Sie können nur ausbrennen, wenn Sie zuvor Feuer und Flamme waren.“ (James Manktelow im Buch „Stress managen“) Es ist nicht bedeutsam, welchen Job wir machen, sondern vor allem wie, mit welcher Haltung und mit welcher Motivation. Burnout tritt auf, wenn die Belastung hoch ist und wir sie als dauerhaft und unausweichlich erleben.

Burnout-Modell-Ginkgo-Prinzip_Mauritz-Barwinske

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Der aktuellen Burnout-Forschung zufolge gibt es im Hinblick auf die Ursachen eine dynamische Wechselwirkung zwischen der Arbeitssituation und der Persönlichkeit. Wenn im Job Fairness, Respekt, Wertschätzung, eine angemessene Entlohnung oder Entscheidungsfreiräume fehlen, wenn widersprüchliche Anforderungen irritieren, soziale Konflikte belasten oder das Arbeitspensum die eigenen Kapazitäten übersteigt, dann ist eine Arbeitsüberlastung nichts Ungewöhnliches. Wenn persönliche Faktoren wie Perfektionismus, übertriebener Ergeiz, unrealistische Zielsetzungen, Zweifel an den eigenen kommunikativen Fähigkeiten und Überidentifikation hinzu kommen, ist ein Burnout vorprogrammiert.

Emotionale und körperliche Erschöpfung, Leistungsabfall und Depersonalisation sind die Folge.

Die Symptome sind vielschichtig: Von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, verminderter Leistungsfähigkeit und Kreativität über Erschöpfungs- und Angstzustände, Ohnmachtsgefühle, Lustlosigkeit, Energiemangel bis hin zu Selbstzweifel, Aggressivität, Erleben von Fremdbestimmtheit, sozialem Rückzug und Flucht in die Sucht oder in den Selbstmord. Darüber hinaus leiden die Betroffenen häufig unter körperlichen Beschwerden ohne organischen Befund wie labiler Blutdruck, Brustschmerzen, Atemnot, Kopf- und Rückenschmerzen, Hörsturz, Impotenz, Zyklusstörungen, Bandscheibenvorfällen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren und und und.

„Das Hauptmerkmal des klassischen Burnout-Syndroms und gleichzeitig auch das größte Problem ist aber die Verleugnung.“ (Gabriele Kypta im Buch „Burnout erkennen, überwinden, vermeiden“) Häufiger folgt ein kompletter Zusammenbruch, weil die eigene Hilfsbedürftigkeit zu spät erkannt wird. Stationäre Behandlung und psychologische Betreuung werden notwendig, Umschulungen und Frühpensionierungen müssen in Anspruch genommen werden. Der Übergang zu Depressionen ist oft fließend. Allerdings hat Burnout im Gegensatz zur Depression immer mit Arbeitsleistung und Arbeitsengagement zu tun. „Eines der Symptome eines drohenden Nervenzusammenbruchs ist das Gefühl, dass die eigene Arbeit etwas ganz schrecklich Wichtiges ist.“ (Bertrand Russell)

Meist erstreckt sich der Prozess des Ausbrennens über eine lange Zeit, manchmal über Jahre oder Jahrzehnte. Zu Beginn zeigen die Betroffenen Kampfgeist und eine geradezu idealistische Begeisterung. Dann kommen Gefühle der Unentbehrlichkeit auf, die eigenen Bedürfnisse werden verleugnet. Sarkasmus und Zynismus beherrschen die Stimmung. Es folgt eine Phase der Frustration und des Rückzugs. Motivation, Leistungs- und Entscheidungsfähigkeit sowie Zufriedenheit und Empathie nehmen ab, während sich Planlosigkeit, Geistesabwesenheit, Apathie, Misstrauen und Gefühle der Austauschbarkeit verstärken. Bewegung findet entweder im Übermaß statt oder minimiert, das Essverhalten ist gestört, die Krankheitsanfälligkeit steigt und die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit wird massiv angezweifelt. Am Ende siegen Isolation, innere Erstarrung, emotionale Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit und Resignation. „Ich kann machen, was ich will, es ändert sich ja doch nichts.“ Das gesamte Leben verflacht, es kommt zu Unfällen, suizidalen Tendenzen, Panikattacken, zum Verlust der Libido, zu Suchtverhalten und zu psychosomatischen Reaktionen. Die Betroffenen sind desillusioniert und befinden sich in einer Sinnkrise. Dann der komplette Zusammenbruch. Was tun?

Anfängliche Hilflosigkeit bis sich einige praktische Empfehlungen finden, die auch bedeutsam sind, wenn wir uns noch nicht in die letzte Phase der Überlastung hinein gestresst haben:

Den Akku wieder aufladen! Dazu gehören ausgewogene Ernährung und bewusstes Essen, regelmäßige sportliche Aktivitäten, Hobbies, Familien- und Freundschaftszeiten. Außerdem die Reduzierung des Genussmittelkonsums, Erholungsphasen und Entspannungstechniken. Dabei ist es wichtig, den eigenen Rhythmus zu finden – weder Adrenalinjunkies noch Coachpotatoes sind gesund und attraktiv.

Die Arbeit gestalten! Es ist wichtig, das Arbeitspensum und die tägliche Informationsflut zu verringern und neue Aufgaben zu übernehmen, die Spaß machen. Man sollte sich erlauben, Fehler zu machen, seine Zeit großzügiger planen und die eigene Erreichbarkeit reduzieren. Wer auch mal „Nein“ sagt, seine Belastungsgrenzen klar absteckt und Unterstützung in Anspruch nimmt, der ist auf dem richtigen Weg aus der Erschöpfungsspirale. Hilfreiche Maßnahmen von Seite des Arbeitgebers sind unter anderem Gespräche, in denen die berufliche Perspektive des Mitarbeiters abgeklärt wird und Gesundheitszirkel. Bei mangelnder Unterstützung sollten Betroffene in Betracht ziehen, den Job zu wechseln, vor allem wenn die eigenen Vorstellungen von Arbeit von der gegenwärtigen Arbeitskultur im Unternehmen abweichen.

Die Überlastungskrise kann auch als Chance für eine Neuorientierung gesehen werden, als Möglichkeit, das Leben und die persönlichen Ziele neu zu bewerten. Was will ich eigentlich mit meiner Zukunft anfangen? Wo liegen meine Prioritäten? Welche neuen Fähigkeiten möchte ich mir erarbeiten? Welche Leidenschaften schlummern in mir? Arbeite ich, um zu leben oder lebe ich, um zu arbeiten? Wichtig ist, die eigenen Bedürfnisse kennen zu lernen und die eigenen Grenzen und Bereitschaften zu verteidigen. „Dieselbe Kraft, Energie und Willensstärke, mit der Sie sich in diese missliche Lage gebracht haben, können Sie nutzen, um wieder herauszukommen.“ (Gabriele Kypta in ihrem Buch „Burnout erkennen, überwinden, vermeiden“)