Stressmodell
Was uns heute am Arbeitsplatz stresst, sind verschiedene bewusste, aber zunehmend auch unbewusste Faktoren. In einer Zeit, in der alles möglich ist, scheinen sich Stressoren, die permanent unser Wohlbefinden stören, geradewegs zu vermehren. Sie sammeln sich, paaren sich und ziehen in Seelenruhe ihre Nachkommen groß.
In unterschiedlichen Studien versuchen Forscher die häufigsten Stressursachen in der Arbeitswelt zu entlarven. Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts von Januar 2009 liegen heute Termindruck und Hetze (52 %), Informationsüberflutung und ständige Erreichbarkeit (33 %) ganz vorne, danach folgen Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und Kollegen. In weiteren Studien zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Dauerstress und mangelnder Wertschätzung. Dazu gehören menschliche Anerkennung, Lob, sichere Beschäftigungsverhältnisse und eine angemessene Entlohnung: „Derzeit leidet ein Drittel der Erwerbstätigen in Europa an einer Gratifikationskrise.“ (Medizinsoziologe Prof. Dr. Johannis Siegrist bei www.spiegel.de) Das Gallup-Institut bestätigte 2004 schlechten Führungsstil und mangelhafte Ausstattung der Arbeitsplätze als Hauptgründe für Stress. Fest steht: Die Ursachen sind vielfältig.
Allerdings wissen gerade einmal 20 % der Unternehmen, was ihre Mitarbeiter stresst. (Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung, 2004) Dabei haben Arbeitgeber seit 1996 laut Arbeitsschutzgesetz sogar die Verpflichtung, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu schützen. Zeit also, den Ursachen von Stress auf den Grund zu gehen.
Bei systematischer Betrachtung heutiger Büroarbeitsplätze, können wir die Quellen von Stress in vier Bereiche untergliedern: Arbeitsumgebung, Arbeitsorganisation, Kommunikation, Zustand der Person.
Stressoren der Arbeitsorganisation sind beispielsweise Arbeitszeiten, Pausen und Arbeitsumfang. Zu den Stressoren der Arbeitsumgebung zählen die ergonomische Einrichtung und Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie die technische Ausstattung. In den Bereich der Kommunikation fallen Stressoren wie Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten, Kritik und mangelnde Anerkennung. Eine vierte Brutstätte der Stressverursacher liegt im individuellen Zustand der Person. Der körperliche Zustand wird von den Genen und dem individuellen Gesundheitsverhalten bestimmt: Genetisch bedingte Stressanfälligkeit, Schlaf- und Ernährung, Krankheiten und Drogeneinwirkungen spielen hier eine Rolle. Der psychische Zustand ist abhängig von der Persönlichkeit, zum Beispiel von Gewissenhaftigkeit, Lebhaftigkeit, Empfindsamkeit. Und von den individuellen Überzeugungen wie „Ich darf keine Fehler machen“ oder „Wer viel arbeitet, der schafft viel“.
Dabei bleibt die Ursache-Wirkungs-Frage häufig ungeklärt. Was war zuerst? Die Henne oder das Ei, der Stress oder die Schlafprobleme, die Konflikte mit den Kollegen oder der Bewegungsmangel? Stressoren rufen Stress hervor, können aber gleichzeitig auch Belastungsfolgen sein. Ein so komplexes Wirkungsgefüge, welches das Thema Stress umspannt, ist zwar nicht so leicht durchschaubar, birgt aber dafür umso mehr Hebel, die bewegt werden können, damit etwas in Gang kommt.
Stressoren der Arbeitsumgebung
• Sinnesüberreizung
• Mangelreizung z.B. durch triste Umgebung, Eintönigkeit und Routinetätigkeiten
• Lärm und störende Geräusche
• Kälte und Hitze
• Dunkelheit und unangepasste Lichtverhältnisse
• Luftverschmutzung, wenig Sauerstoff
• Räumliche Enge und Bewegungseinschränkung
• Mangelnde Ergonomie des Arbeitsplatzes
Stressoren der Arbeitsorganisation
• Mangelnder Informationszugang
• Strenge Arbeitszeiten, Nachtschichten, Wochenendarbeit und Überstunden
• Keine Pausen und unangemessene Pausenregelungen
• Überforderung (Burnout-Syndrom)
• Unterforderung (Boreout-Syndrom)
• Zeitdruck durch unrealistische Abgabetermine
Stressoren der Kommunikation
• Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten
• Kritik
• Mobbing
• Unfreundlichkeit
• Managementstil
• Ärger
• Mangel an Lob und Anerkennung
Körperliche Stressoren
• Schlafmangel, Schlafüberfluss, Müdigkeit und Nachtarbeit
• Krankheit
• Schmerzen
• Drogeneinwirkung (Nikotin, Koffein, Amphetamin…)
• Nahrungsmangel oder -überfluss
• Flüssigkeitsmangel
• Fehlstellungen in den Gelenken
Genetische Disposition
• Geringe Widerstandskraft
• Geringe Belastbarkeit
Psychische Stressoren
• Leistungsdruck
• Hohe Ansprüche
• Informationsüberflutung
• Zielkonflikte
• Einstellungen und Überzeugungen
• Psychische Störungen
Persönlichkeitsfaktoren
• Gewissenhaftigkeit
• Dominanz
• Lebhaftigkeit
• Besorgtheit
• Perfektionismus
• Empfindsamkeit
Überzeugungen
• Ich muss immer perfekt sein.
• Ich darf keine Fehler machen.
• Stress ist ein Zeichen von Leistung.
• Pausen sind ein Zeichen von Schwäche.
• Wer viel arbeitet, schafft viel.
• Wer viel anwesend ist, der arbeitet viel.
